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Bio Familien: nur Lebensstil oder sinnvoll?
7 Methoden achtsam, nachhaltig und manchmal günstiger zu konsumieren

Bio einkaufen ist nicht (nur) schick (wie es von Trendforschern unterstellt wird) es ist sinnvoll und richtig! Eigentlich haben wir Mütter weiß Gott besseres zu tun als uns mit den Vorurteilen anderer auseinanderzusetzen. Leider werden auch über Bio Konsumenten immer noch gerne und intensiv Vorurteile ausgetauscht, auch über die Bio konsumierenden Mütter aber wir sind keine so genannten Latte macchiato oder Helikopter Mütter….

Niemand mag unangenehme Klischees erfüllen, auch wir Mütter nicht, auch dass der Latte-Macchiato-trinkenden Szenemuttter, die Bio einkauft, sich hier und da mit fair gehandelten Modeaccessoires schmückt und eigentlich auch insgesamt ein gutes Verständnis für Umweltprobleme hat, aber dennoch ein mehr oder weniger ausgeprägten Faible für Fernreisen, große Altbauwohnungen oder bequeme Autos für jede noch so kurze Tour besitzt.

Die damit verbundenen Vorurteile halten sich hartnäckig und richten sich vornehmlich gegen Mütter der Kategorie Großstädter, Mitte Dreißig, beruflich erfolgreich und Modebewusst. Dabei wollte sich eigentlich noch nie jemand so recht mit dem Konsumleitbild identifizieren, das sich ausgefuchste Trendforscher Anfang 2000 gegen viel Geld unter dem Titel LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) ersonnen haben. Erstens, weil wir uns nicht gerne in Schubladen stecken lassen. Zweitens, weil uns die anderen populärwissenschaftlichen Nachhaltigkeits-Propheten seither ständig nachsagen, dass unser Lebensstil hedonistisch und irgendwie auch ein bisschen naiv ist. Und drittens, weil wir doch alle wissen, dass die Welt nicht allein durch teure Bio-Produkte zu retten ist.

 

Diese Art von Konsumprofezeihungen machen überhaupt nichts besser. Tatsächlich ist das ganze Gesäusel um die neue Konsumkultur sogar extrem kontraproduktiv. Anstatt uns brauchbare Motivationsbrücken zu bauen, wecken sie vielmehr das dringende Bedürfnis uns von alldem, was uns da so übergestülpt wird, so weit wie möglich zu entfernen. Man könnte fast behaupten, dass uns die Ausschlachtung und die darauf folgende Verhöhnung des LOHAS-Phänomens unser natürliches Umweltbewusstsein sogar minutiös zerstört.

 

Keinesfalls sollten wir uns durch Vorurteile von dem richtigen Weg abbringen lassen, sondern den Kritikern vielmehr klar machen, dass ihre Energien an anderer Stelle besser investiert sind. Zum Beispiel für den Entwurf echter Nachhaltigkeitsleitbilder, die uns motivieren und mit denen wir uns gerne identifizieren. Zudem wurde Rom auch nicht an einem Tag erbaut. Wir sind schon auf dem richtigen Weg, zumindest gedanklich. Schließlich haben doch gerade wir Eltern ein echtes Interesse daran, dass die Welt eine bessere wird als sie ist. Für unsere Kinder. Interessiert uns denn eigentlich die Meinung anderer? Oder besser, sollte sie uns interessieren? Ich meine (in diesem Fall) auf keinen Fall! Wir sind tagtäglich Vorbild für unsere Kinder. Indem wir gesund und nachhaltig leben, tun wir eigentlich nur instinktiv das Richtige, wir denken an die Zukunft (der Erde und damit unserer Kinder), zeigen Empathie und handeln auch danach (mit dem Bauern, der fair bezahlt wird, mit dem Tier, dessen Leben so wenig Leid wie möglich beinhalten soll) setzen Prioritäten indem uns Marken und Luxus weniger interessieren als die Herkunft der Produkte, von denen wir in Zukunft mehr produziert sehen wollen (denn die Nachfrage regelt das zukünftige Angebot). Lassen wir uns von unserem Weg, ein Leben vorzuleben, dass eine für alle Menschen lebenswerte Welt ermöglicht, von niemandem abbringen. Denn die Hoffnung und der Glaube an eine lebenswerte Zukunft steckt eigentlich schon im Eltern werden drin. Niemand von uns hätte Kinder bekommen, wenn er oder sie nicht intuitiv gehofft und gewusst hätte, dass es gut ausgeht, dass wir eine Welt erschaffen (und ein bisschen auch erkonsumieren) können, die für unsere Kinder mit gutem Gewissen lebenswert ist! Es zählt nicht, was die anderen, was alle denken, es zählt, was wir selbst tun und unseren Kindern jeden Tag ein bisschen mit auf den Weg geben. Dann leben wir auch vor, daß wir mit uns im Reinen sind und dann können wir uns moralinsaure Predigten jeglicher institutioneller Gewissensausbeuter in Politik und Kirche getrost sparen, weil wir es einfach machen, wir fangen wie bei allem, auch mit dem Konsum, bei uns - im Kleinen, im Alltag - an.

 

Und hier zur Erinnerung noch einmal die wichtigsten Maßnahmen zur Verbesserung unserer persönlichen Umwelt- und Klimabilanz im Schnelldurchlauf: 

 

1: Trotzdem so oft wie möglich beim Bioladen einkaufen

 

Bei den zahlreichen kritischen Stimmen und Lebensmittel-Skandalen, die uns regelmäßig heimsuchen, ist es kein Wunder, dass wir den vielen bunten Siegeln nur noch wenig vertrauen schenken. Wir sollten uns jedoch immer wieder vor Augen halten: Wir Verbraucher sind nicht dumm. Wir Verbraucher haben Macht. Wir Verbraucher tragen eine große Verantwortung. Ja, vielleicht ist der Konsum sogar die letzte Spähre, in der wir noch wirklich Einfluss nehmen können. Zumindest indirekt, denn durch unsere Nachfrage steuern wir das Angebot und können durch Kauf- oder Nichtkauf-Entscheidungen (zumindest in der Masse) die Nachhaltigkeitsausrichtung von Unternehmen beeinflussen. Mit Bioprodukten fördern wir ökologischen Landbau, unter Umständen auch soziale Arbeitsbedingungen und faire Löhne, mit konventionellen Lebensmitteln der großen Handelsketten fördern wir dagegen Kunstdünger und Pestizide, nicht-artgerechte Tierhaltung, Dumpinglöhne und gefährden die Artenvielfalt. Biolebensmittel schneiden in Sachen Klimabilanz fast immer besser ab als konventionelle Produkte. Der Klimavorteil von Bio-Eiern gegenüber konventioneller Erzeugung beträgt beispielsweise 20%. Und naiv oder sinnlos ist die Konsumveränderung allemal nicht, immerhin hat sich der Markt der Biolebensmittel in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. An diesem Effekt können wir erkennen: Kleinvieh macht (buchstäblich - auf Dauer) auch Mist.  

 

2: Energieverbrauch überdenken

 

Rund 15 Prozent des CO2-Ausstoßes werden in Deutschland durch private Haushalte verursacht. Damit liegen sie nach dem Kraftwerkssektor und dem Verkehr auf Platz 3 der Emissionsstatistik. Erfasst werden dabei Heizen und Strom sowie der motorisierte Individualverkehr. Indirekte Emissionen, die durch privaten Konsum entstehen, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. 

 

Den Bärenanteil der klimaschädlichen Emissionen verursachen wir durch das Heizen. Logischerweise liegt hier auch das größte Einsparpotential. Mieter können einen guten Beitrag durch richtiges Lüften leisten. Eigenheimbesitzer können insbesondere durch den Austausch veralteter Heiztechnik und Wärmedämmung klimaschädliche CO2-Emissionen um bis zu 80% senken und zudem ein vielfaches an Kosten einsparen. Wie viel das tatsächlich sein kann, verrät ein Energie-Spar-Check. Ein kostenloser und TÜV-zertifizierter wird online beispielsweise von Viessmann angeboten (übrigens ein sehr sympathisches Unternehmen, dass sich neben Ressourcen- und umweltschonenden Produktionsprozessen auch für biologische Vielfalt und soziale Themen einsetzt). 

 

Eine einfache und unbürokratische Maßnahme ist auch der Wechsel zu Ökostrom. Und wer dabei sicherstellen will, dass der Stromanbieter auch wirklich zur Ausweitung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien beiträgt, sollte auf das OK-Power-Label oder das Grüner Strom-Label achten. 

 

Insgesamt sollten wir natürlich - wo immer es geht - sparsamer mit Strom und Wärme umgehen. Was aber nicht heißen soll, dass wir oder unsere Kinder morgens in einem eiskalten Badezimmer erfrieren müssen. Eine regelmäßige Reduzierung um 1 - 2 °C bringt auch schon Gutes, nämlich bis zu 12 Prozent Einsparungen an Heizenergie. 

 

3: Mobilitätsverhalten überdenken

 

Klar, Eltern mit kleinen Kindern geraten ohne fahrbaren Untersatz schnell ins Hintertreffen, wenn der Alltag trotz doppelter Berufstätigkeit organisiert werden will. Trotzdem sollten wir die Alternativen immer im Blick behalten und - ganz wichtig - zur Motivationsförderung positiv (über)bewerten sowie dies zwecks sozialer Druckausübung auch immer lauthals kundtun („Voll super, ich habe die Kinder die ganze Woche mit dem Fahrrad in die Kita gebracht und dabei 2 Kilo abgenommen!“). Und weil bereits die Flugreise von Frankfurt nach Teneriffa genauso schädlich ist, wie ein ganzes Jahr Autofahren, können wir auch öfters mal über einen Urlaub in den heimischen Gefilden nachdenken. Mit ein bisschen Vorstellungskraft können wir uns Karibikfeeling mit Sonnenliege und Kokosnuss-Öl nämlich auch nach Usedom holen. 

 

4: Wasser sparen

 

Obwohl in Deutschland Wasser in Hülle und Fülle vorhanden ist, sollte auch uns Deutschen die Kostbarkeit von Trinkwasser stets bewusst bleiben. Auch hier gilt Sparsamkeit. Im Durchschnitt verbrauchen wir pro Kopf 125 Liter Wasser täglich, in Indien sind es lediglich 25 Liter! Gut zwei Drittel gehen dabei für Baden-Duschen-Körperpflege drauf. Klimabilanztechnisch ist es weniger der Wasserverbrauch an sich, sondern viel mehr die Wasseraufbereitung, -bereitstellung und    -aufwärmung die zu Buche schlägt. Ein sparsamer Umgang mit Wasser ist eine Frage der Gewohnheit, denn es würden sicherlich auch 80 Liter pro Tag ausreichen, wenn wir Körperpflege dennoch ernst nehmen wollen. Im Übrigen kann es auch sehr befriedigend sein, wenn wir es schaffen, unser Beautyprogramm sogar mit einer Pfütze zu bewältigen, anstatt die Badewanne immer bis zum Anschlag volllaufen zu lassen. 

 

5: Bank wechseln (und wer Geld hat: in nachhaltige Geldanlagen investieren) 

 

Konventionelle Banken haben - auch wenn sie oft so tun - kaum ein echtes Interesse an ethischen und sozialen Problemstellungen. Auch nach der globalen Finanzkrise zählen hauptsächlich harte Finanzkennzahlen, wie Rentabilität und Bilanzwerte, daran wird sich so schnell nichts ändern. Als Kunde einer „normalen“ Bank fördern wir daher im schlimmsten Fall eine Konzernpolitik, die für mehr Wachstum und Rendite bereit ist, natürliche Ressourcen und menschliche Arbeitskraft auszubeuten. Nur wenige Banken setzen Ihr Geld für gute Zwecke ein. Sind wir an einer nachhaltigen Geldanlage interessiert, sollten wir daher Augen und Ohren stets offen halten und kritisch prüfen. Die bekannteste unter den „guten“ Banken ist die 1974 gegründete „GLS Bank“. Jeder Anleger hat hier volle Einsicht in die Kreditvergabe, die an ökologische und soziale Kriterien gebunden ist. Bei der GLS Bank bekommen wir auch die übliche Leistungspalette geboten (Girokonto, Tagesgeldkonto oder klassisches Sparbuch). 

 

6: Kinderkleidung Secondhand kaufen

 

Es gibt viele gute Gründe, Second Hand Mode für Kinder zu kaufen. Viele neue Kleidungsstücke sind zunächst belastet. Gefährliche ­Chemikalien wie  Weichmacher und andere giftige Stoffe wurden zuletzt in einer breit angelegten Greenpeace Studie in fast allen Testkäufen gefunden. Einige wirken wie Hormone, andere stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Erst nach mehrmaliger Wäsche kann man davon ausgehen, daß wenig bis keine Schadstoffe mehr enthalten sind. Kinder wachsen außerdem aus vielen Stücken so schnell heraus, das die Sachen nicht abgetragen sind. Markenbewußte Schnäppchenjäger können in vielen Second Hand Läden schicke Sachen preisgünstig erstehen. Auch Kinderwagen von Edelmarken wie Bugaboo oder Teutonia sind Second Hand viel günstiger zu haben. Viele Second Hand Läden bieten neben Kleidung, Buggys, Kinderwagen und Autositzen auch hochwertige Spielsachen an. Das gesparte Geld kann man dann besser in wenige fairtrade Biobaumwolle oder Biowolle Stücke von Marken stecken, deren Produktionshintergrund auch für die Mitarbeiter clean ist.  

 

7 - weniger Fleisch essen 

 

 

der Fleischreport zeigt es immer wieder förmlich schockierend auf: wir Deutschen essen nach wie vor Massen an Fleisch. Nachdem Schweinefleisch aus gesundheitlichen Gründen (u.a. viel Harnsäure) immer weniger Esser findet, ist das Rindfleisch ersatzweise im Vormarsch. Im Magen der Kühe entsteht das Treibhausgas Methan. Dieses wirkt sich noch gefährlicher als Kohlendioxid auf das Klima aus. Das Gas wird zwar langsamer angereichert, aber auch genauso langsam wieder abgebaut. Bei 1,4 Milliarden Rindern weltweit gehen vier Prozent der Treibhausgase auf die Tiere zurück. In Anbetracht der oftmals quälenden Haltung und der Tiere ist eine weitestgehend vegetarische Nahrungsumstellung der gesamten Familie eine nachhaltige und gleichzeitig soziale Tat. Wenn es Fleisch sein muß, dann am besten Bio- oder Neulandfleisch. 

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