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Warum mit dem Fahrrad zur Schule
Bei Rot stehen, bei Grün fahren!



Die Schulwege sind länger geworden. Auf dem Land gibt es immer weniger Dorfschulen und auch in der Stadt schicken Eltern nicht mehr wie früher üblich ihr Kind auf die nahegelegene Schule. Heute spielen bei der Schulauswahl andere Kriterien als der kürzeste Schulweg eine Rolle. Den meisten Eltern ist es zunächst wichtiger, dass die Erziehungsmethoden der Schule zu ihren eigenen passen oder die Schule einen guten Ruf hat. Auf den Schulweg wird anfangs wenig geachtet. Mit dem Auto ist es eben einfacher, zu weiter entfernten Schulen zu gelangen. Das führt dazu, daß nur noch wenige Eltern ihren Kindern den Schulweg allein überlassen. Dazu die fast erschreckende Statistik: 1970 machten 91% der Erstklässler ihren Schulweg noch selbstständig. 2000 waren es nur noch 17 Prozent. Eine Forsa-Umfrage in diesem Jahr ergab, daß die meisten Kinder zum Unterricht gebracht werden, davon jedes fünfte mit dem Auto. Es sind heute einfach mehr Autos auf den Straßen, der Verkehr fließt schneller. Bei den Eltern ist die Sorge, dass ihren Kindern an viel befahrenen Straßen etwas passiert, in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen. 

 

Selbst wenn der Schulweg nur 500 Meter lang ist – viele Eltern bringen ihre Kinder bis in die Klasse. Die Angst vor Unfällen ist zumindest immer weniger begründet. 1978 verunglückten von 1.000 Kindern 4,7; 2010 lag das Verhältnis bei 2,6 zu 1.000. Kinder werden nach Einschätzung der Experten oft unterschätzt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kommen sie tatsächlich gut im Verkehr zurecht. 

 


Das Elterntaxi wird spätestens dann ein Problem, wenn Kinder auf die weiterführende Schule wechseln. Doch genau dann wirkt sich der grundsätzliche Fehler, jahrelang mit dem Auto zu Schule gefahren zu haben, fatal aus. Wer als Grundschüler nicht die ersten Schritte im Verkehr machen kann, ist später total überfordert. Zusammen mit der steigenden Risikobereitschaft in der Pubertät eine gefährliche Kombination.
Wie kommen wir zur Kita, Tagesmutter oder Schule möglichst ohne mit dem Auto zu fahren und unter größtmöglicher Beteiligung der Kleinsten? Die Kinder sollten ihre Wege selbst machen.

Vielerorts sind Schulen und Kitas von heftigen Autobelagerungen zur Schulanfangs- und Endzeit betroffen. Zeit ist Geld, darum könne wir es uns ja nicht leisten auch nur eine Minute zuviel für die Wege zur Kita, zum Arbeitsplatz hin und zurück zu verlieren.
Dabei gehört das Wege-selbst-bewältigen-können zu den wichtigsten Kompetenzen und Selbstbewusstsein stärkenden Faktoren überhaupt. Etwas schaffen, mit eigener Kraft, was so sinnvoll und nötig ist wie der Weg zur Kita oder zur Schule ist unschätzbar wertvoll. Nehmen Sie wenn möglich lieber den Weg über die Kompetenzentwicklung als den der Vermeidung. 

Warum soll mein Kind mit dem Fahrrad zur Schule fahren?

Bewegung hält fit und fördert das Lernen.Körperliche Bewegung spielt von der Kindheit bis ins Alter eine Schlüsselrolle beim Entstehen von Nervenzellen und neuralen Netzwerken, die Voraussetzung für das Lernen sind. Bewegung trägt zur Konzentrationsfähigkeit bei.
Der Schulweg ist ein Erlebnisweg, auf dem die Kinder für eine Weile unter sich sind, wichtige Erfahrungen sammeln und Freundschaften knüpfen.
Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule, weil sie die Gefahren für ihre Kinder durch den Autoverkehr fürchten. Ein Teufelskreis, da so noch mehr Autoverkehr stattfindet und die Kinder vor vielen sinnvollen eigenen Lernerfahrungen „bewahrt“ werden. 

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen macht außerdem ausgesprochene Morgenmuffel munter. Und „Zappelphilipps“ macht die Bewegung auf dem Schulweg sind im Unterricht ruhiger.
Nach der Schule fördert der meist kommunikative Heimweg das Sozialverhalten und lässt Abstand zum Unterrichtsgeschehen gewinnen. 

 

Organisieren Sie wenn möglich Patenschaften mit älteren Schülern, damit die Jüngeren eine sichere Begleitung haben. Sie sparen Zeit und Kosten für Hol- und Bringdienste und tun gleichzeitig etwas für die Umwelt.

Tipps für einen sicheren Schulweg:Eltern sollten sich im Straßenverkehr vorbildlich verhalten, da Kinder von ihrem Beispiel lernen.
_Planen Sie den Schulweg gemeinsam mit Ihrem Kind.
Und bitte nicht den kürzesten Weg wählen, sondern den sichersten, d.h. ruhige Straßen, breite Gehwege, wenig Fahrbahnüberquerungen.
Achten Sie auf gesicherte Fahrbahnüberquerungen (Fußgängerampeln, »Zebrastreifen«, Mittelinseln) und vermeiden Sie ungesicherte und unübersichtliche Überquerungen wie z.B. zwischen geparkten Autos.


 

Bringen Sie ihrem Kind bei, möglichst ruhig und entspannt zu radeln, ein in hastiger Eile zurückgelegter Weg ist zig fach gefährlicher. Sehr wichtig ist, daß es morgens rechtzeitig los geht. Ein gesundes Frühstück ist nicht nur für Aufmerksamkeit und Konzentration in der Schule wichtig, sondern auch auf dem Schulweg, um sicher anzukommen. 

 

Trainieren Sie, am Zebrastreifen: nur dann losgehen, wenn die Fahrzeuge wirklich stehen!
Prägen Sie Ihrem Kind möglichst früh ein, auch in der Gruppe stets auf sich selbst aufzupassen und nicht automatisch mitzulaufen, wenn andere loslaufen.
Lassen Sie ihm die Zeit, die es dafür benötigt!

_Nutzen Sie – wenn vorhanden – den Schulwegeplan der Schule Ihres Kindes bei der Planung.
Sollte es in der Schule noch keinen Schulwegeplan geben, können Sie die Erstellung eines solchen im Elternbeirat initiieren.
Der Schulwegplan enthält kindgerechte Informationen zu den Gefahrenstellen in der Umgebung der Schule und kennzeichnet sichere Schulwege (sichere Überquerungsmöglichkeiten, ruhige Straßen, Schülerlotsen usw.).

Den Schulweg gemeinsam trainieren.

Üben Sie den Schulweg vor Schulanfang gemeinsam mit Ihrem Kind.
Lassen Sie sich nach den ersten Übungen von Ihrem Kind führen und übergeben Sie ihm damit die Verantwortung. Beobachten Sie, wie sich Ihr Kind verhält.
Üben Sie das richtige Verhalten an Gefahrenstellen besonders gründlich ein (Fahrbahnüberquerungen usw.) und überlegen Sie, welche gefährlichen Situationen eintreten können und wie sich Ihr Kind dort optimalerweise verhalten sollte. Gehen Sie auch auf besondere Situationen ein. 
Was soll ihr Kind beispielsweise tun, wenn die Ampel ausfällt? Lassen Sie es am Zebrastreifen üben, Hand Zeichen zu geben, um seine Absicht, die Fahrbahn zu überqueren, zu signalisieren.
Erklären Sie Ihrem Kind, wie es sich Fremden gegenüber verhalten soll (nicht mitnehmen lassen, keine Auskunft geben …). Ganz wichtig, üben Sie die Verkehrsregeln und die Bedeutung der Verkehrsschilder mit Ihrem Kind ein.

 

Merksätze helfen: Bei Rot stehen, bei Grün gehen!

Wenn ihr Kind zu Fuß zur Schule geht, üben Sie ein, vor dem Überqueren der Fahrbahn und des Radweges stehen zu bleiben und erst links, dann rechts und dann wieder links zu schauen.
Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass es dies auch bei einer grünen Ampeln tun soll.


Weisen Sie darauf hin, dass nach der Fahrbahnquerung und dem Erreichen der vermeintlich sicheren Bordsteinkante noch ein Radweg auf dem Gehweg kommen kann.
Vergessen Sie nicht, dass an Zebrastreifen Schienenfahrzeuge Vorrang haben und nicht wartepflichtig sind.
»Bei Rot stehen, bei Grün gehen« ist absolutes Muss – auch wenn es mal länger dauert.
Lassen Sie Ihr Kind nicht einfach auf Grün vertrauen, sondern zusätzlich darauf achten, ob ein herankommendes Fahrzeug auch stehen bleibt.
Zeigen Sie, das der Wechsel von Grün auf Rot kein Grund zur Panik ist, sondern die Überquerung der Fahrbahn nach dem Umschalten auf Rot aufmerksam zu beenden ist (ein Gelb für die »Räumzeit« gibt es hier ja nicht).
Üben Sie das Überqueren der Fahrbahn, indem Sie Ihr Kind führen lassen.
Helfen Sie Entfernungen abschätzen zu lernen: Wann kann man die Fahrbahn vor einem in der Ferne schon zu sehenden herankommenden Auto noch sicher überqueren, wo ist das Auto mittlerweile, wenn man die Fahrbahn überquert hat? Lassen Sie mal jemanden vorgehen und beobachten Sie mit dem Kind.
Üben Sie, an Engstellen besonders vorsichtig zu sein. Ggf. Lkw/Busse/Wohnanhänger usw. erst vorbei lassen. Rennen, Nachlaufen, Raufen muss an derartigen Stellen absolut tabu sein.
Meiden Sie mit kleineren Kindern möglichst gemeinsame Geh- und Radwege, gehen Sie dort auf der fahrbahnabgewandten Seite, ansonsten ganz rechts.
Bringen Sie bei, bei getrenntem Geh- und Radweg den Radweg als Fahrbahn zu respektieren und strikt zu meiden sowie auf der radwegabgewandten Gehwegseite zu gehen.
Bei fehlenden Gehwegen oder Seitenstreifen sollte man möglichst am linken Straßenrand gehen (ausserorts Pflicht, wenn zumutbar), um passierende Autos besser kommen zu sehen.

An Haltestellen: Nur hinter dem Bus oder der Straßenbahn die Fahrbahn überqueren, natürlich nachdem man sich vergewissert hat, dass die Fahrbahn frei ist (und auch keine andere Bahn auf dem Gegengleis kommt).
Bei sichtminderndem Wetter, in der Dämmerung und bei Dunkelheit helle Kleidung, kombiniert mit auffälligen Farben tragen, möglichst mit reflektierenden Streifen versehen. Bei Dunkelheit möglichst den Gehweg auf der helleren Straßenseite benutzen, wo die Straßenlaternen stehen.

Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr MÜSSEN, ältere Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr DÜRFEN mit Fahrrädern Gehwege benutzen.
Auf dem Gehweg radelnde Kinder müssen beim Überqueren einer Fahrbahn auf jeden Fall absteigen, auch bei der Überquerung mithilfe von Zebrastreifen.

Achten Sie stets darauf, dass das Fahrrad Ihres Kindes technisch in Ordnung-, und optimal in der Höhe eingestellt ist. Da die Wahrnehmung und das Blickfeld eines Kindes eingeschränkter ist als bei einem Erwachsenen,  sollte es beim Fahrradfahren möglichst aufrecht und entspannt sitzen um evtl. Gefahrensituationen optimal

 

wahrnehmen zu können. Versuchen Sie nicht, Ihre eigenen Fahrradwünsche auf Ihr Kind zu projizieren. Bei einem Kinderfahrrad ist besonders wichtig, dass Ihr Kind nicht überfordert, sondern möglichst in seiner Entwicklung gestärkt wird. Diese Empfehlung betrifft sowohl die Größe, als auch die Art des Fahrrades. Ein zu großes oder zu sportliches Fahrrad überfordert Ihr Kind schnell und verstärkt Unsicherheiten in Gefahrensituationen. Ein gutes Kinderfahrrad ist optimal auf die Anatomie und die Anforderungen von Kindern zugeschnitten und deshalb schnell von ihnen zu beherrschen. So macht Fahrradfahren Ihrem Kind Spaß und fördert nachhaltig seine Entwicklung. Lassen Sie Ihr Kind nur mit 100%ig passendem Schutzhelm mit eigenaktiver Rückleuchte (z.B. von Puky) auf das Fahrrad.
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind bei sichtminderndem Wetter, in der Dämmerung und bei Dunkelheit helle und auffallende Kleidungsstücke, möglichst mit reflektierenden Streifen versehen, trägt.
Autotüren sind nicht nur auf der Fahrbahnseite, sondern auch auf dem Gehweg (oder Radweg) eine große Gefahr: ausreichenden Abstand halten!
Lehren Sie Ihr Kind, beim Radeln auf dem Gehweg Ein- und Ausfahrten wahrzunehmen.
Hier können unvermittelt Fahrzeuge auftauchen, es erschrecken und zu gefährlichen Ausweichmanövern veranlassen. Sind Fußgänger anwesend oder ist mit Ihnen zu rechnen, besonders im Umfeld von Haus- und Hofeingängen oder Wegeeinmündungen, muss Schrittgeschwindigkeit eingehalten werden.

Die Sicherheit radelnder Kinder kann durch eine bessere Sichtbarkeit erhöht werden: orange fluoreszierende auffällige Fahrrad-Sicherheitswimpel und einklappbare Abstandsanzeiger sind eine wirkungsvolle Methode eine auffällige Silhouette zu erzeugen und die Sichtbarkeit des Kindes zu erhöhen.
Autofahrer können ein so ausgestattetes Rad viel besser erkennen. Eine gute Checkliste für ein sicher ausgestattetes und ergonomisches Kinderfahrrad finden Sie z.B. auf www.puky.de.

 

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