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Mindestens 40 Tage Wochenbett nach der Geburt!
Bemuttert die Mütter!

Wir alle hören immer wieder: „Hauptsache das Baby ist gesund.“
Wir hören es bevor wir gebären, nachdem wir gebären, wenn die Mutter einen Kaiserschnitt, eine Infektion, einen Dammschnitt hat, wenn sie eine postpartale Depression oder ein Trauma samt post traumatischer Belastungsstörung hat. Aber das stimmt nicht: Ein gesundes Baby ist nicht alles was zählt.


Mütter zählen auch. Natürlich ist die Gesundheit des Kindes sehr wichtig, die Gesundheit der Mutter ist deswegen aber nicht zweitrangig. Mütter sind in einer Mutter-Kind-Symbiose mit ihrem Säugling. Wenn es der Mutter schlecht geht, dann leidet indirekt auch das Kind. (Mehr dazu in unserem nächsten Artikel zum Thema Geburt) Aber auch die Mutter selbst – „nur“ für sich – sollte nicht unnötigen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sein.


Immer wieder hört und liest man, dass Müttern und deren Gesundheit während und nach der Geburt nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Viele Frauen leiden monate- oft jahrelang still vor sich hin. Erst wenn eine überlastete Freundin oder der genervte Ehemann zu einer Therapie rät, wird das Ausmaß und die Absurdität der Situation bewusst: In der Zeit, die gemeinhin als „die glücklichste“ gilt, in der die junge Familie das neue Leben aufnimmt, in der (meistens) aus zwei drei werden, schlägt die Traumatisierung einer schweren Geburt oder eine postpartale Depression so heftig zu, weil der Druck, nicht dem Archetypus eines wahren Mutterglücks zu entsprechen, zum Schweigen oder Beschönigen führt.


 Wir haben oft immer noch den eher be- als entlastenden Babytrourismus, die Schwiegermütter, die vorbeikommen, um ein bisschen um das Baby herumzuglucken, einen Kaffee trinken, um wieder nach Hause zu fahren. Auch die Ehemänner, die vorgeben zu schlafen, wenn das Baby nachts schreit sind noch weiter verbreitet, als gemeinhin erwartet.
Wir geben Müttern keine drei Monate haushaltsfreie Zeit wie in afrikanischen Ländern, wir geben uns in dieser wichtigen Regenerationsphase nicht die berühmte „Cuarantena“ der lateinamerikanischen Kulturen (40 Tage Wochenbettschonung, welche, ursprünglich aus der Bibel übernommen worden, nach Lateinamerika aus Europa einmissioniert wurde, hier jedoch längst in Vergessenheit geraten ist (www.slate.com/articles).  Auch nicht die vier Wochen, die in Asien und im mittleren Osten üblich sind, bekommen wir. In all diesen Kulturen ist es den Müttern, die frisch entbunden haben noch nicht einmal gestattet irgendetwas im Haus anzufassen, außer dem Baby. Und noch nicht einmal die zehn Tage Krankenhaus samt Rundumbetreuung, die meine Mutter in den 70er Jahren noch erleben durfte, ist zur Schonung und Regeneration der anstrengenden und oft genug traumatischen Geburten zu haben. Auf lediglich 3,3 Tage ist die durchschnittliche Erholungspause hierzulande geschrumpft. Danach wird oft genug direkt und selbstverständlich ein Weiterfunktionieren als Hausfrau, zumindest jedoch als pflegende – und gepflegte – Mutter, erwartet.


Selbst traumatische Geburten oder Kaiserschnittmütter werden nach drei bis vier Tagen teilweise verächtlich angeschaut, wenn sie um eine Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes bitten, weil sie gerne noch ein bis zwei Tage länger bleiben würden. (Darum bitten zu müssen ist in Anbetracht der Situation an sich schon absurd.)


Die gesundheitlichen Folgeschäden einer schlecht verheilten Dammwunde oder eines Kaiserschnitts sind, neben der Belastung für Mutter und Kind, ebenso belastend für das Gesundheitssystem, wie die vielen Brustentzündungen, die außerdem zu verfrühtem Abstillen und Antibiotikabehandlungen bis zu OPs führen.


Nach keiner sonstigen Operationsart (noch dazu im Bauchraum beim Kaiserschnitt!) werden Patienten nach einem Tag mit einem solch gehässigen „Husch, husch“ aus dem Bett gescheucht, um regelmäßige und anstrengende Tätigkeiten zu verrichten („Na Sie können doch schon selbst wickeln, dazu sind WIR doch nicht da! Das tut Ihnen gut wieder auf die Beine zu kommen, das hilft bei der Heilung.“)


In anderen Kulturen und auch bei uns (früher) waren Frauen während und nach der Geburt von ihren eigenen Müttern und anderen älteren Frauen umgeben. Die Hebamme spielte – und tut es manchmal noch – die Rolle der Mutter der Gebärenden. In der postpartalen Zeit übernahm sie die Haushaltsunterstützung.


Bezeichnenderweise ist in vielen Sprachen das Wort Hebamme synonym mit dem Wort Großmutter. Heutzutage jedoch sind die Zersplitterung der Familien, die allgemeine Unterbewertung von Mutterschaft und der enorme Kostendruck im Gesundheitssystem nur einige der Faktoren, die die Mütter immer wieder in die Glückszwang- Falle tappen lassen. Traumatische Geburten werden – oft sogar vor sich selbst – schön geredet, weil Ratgeberliteratur und andere Mütter unter Leistungszwang setzen und das gute-Mutter-sein schon mit einer Verbreitung der ach so leichten bzw. schönen Geburt beginnt. Heute sind die Wörter Großmutter und Geburtshelfer weit davon entfernt, gleichbeutend zu sein.


Jedoch benötigen wir die kümmernde, Geborgenheit vermittelnde Haltung während der Schwangerschaft und während und nach der Geburt mehr denn je. Gerade weil ein falsches Bild von Geburten gezeichnet wird und die Enttäuschung, oder sogar der Schock oft tief sitzen, ist eine persönliche, enge, verständnis- und liebevolle Betreuung unbedingt notwendig. Nie sind Frauen den Ängsten so ausgesetzt wie in dieser geburtsnahen Zeit, nie sonst sind sie so bedürftig nach Geborgenheit und Zuspruch. Wenn das Bemuttern der Mutter fehlt, dann haben postpartale Depressionen und auch Schwangerschaftsdepressionen ein leichtes Spiel, dann werden Geburten traumatischer und junge Mütter schneller überforderte Nervenbündel. Die fehlende seelische und auch einfach nur anpackende Unterstützung führt letztendlich zu massiven physischen und psychischen Folgeschäden bei der Mutter, damit zu Schäden in der Mutter-Kind-Bindung und letztendlich zu oft nachhaltig negativer Beeinflussung der Psychen der frisch geborenen Kinder. (Mehr dazu im unserem nächsten Artikel in der Reihe „Ehrliche Geburt“)


Darum: Bemuttert die Mütter!

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