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Hör’ auf Mutti!
Die sieben Regeln natürlicher Autorität

Wir alle möchten sie haben. Die ruhige Stimme und gelassene Ausstrahlung in erziehenden Momenten mit unseren Kindern. Wenn sie in unserer Umgebung auftritt, bewundern wir ihre große Würde:
Nimmt man die Showinhalte junger Comedians (siehe z. B. Michael Mittermeier und Atze Schröder) als Spiegel der relevanten gesellschaftlichen Reibungsthemen, so scheinen tatsächlich wir Eltern und unsere nicht vorhandene natürliche Autorität ein großes Manko zu sein …

 

Warum ist es so schwer sich, ohne Angst zu machen, zu manipulieren, zu drohen oder zu strafen, nachhaltig und durchgängig den Respekt der eigenen Brut zu verschaffen?

Nach Herrn Michael Winterhoffs Trilogie »Tyrannen müssen nicht sein«, »Warum unsere Kinder Tyrannen werden« und »Lasst Kinder wieder Kinder sein« handelt es sich um ein Unreifephänomen bei uns Eltern. Viele gehen in Symbiose mit ihren Kindern, haben Angst vor Liebesentzug von Kinderseite, können sich nicht abgrenzen, nicht konsequent einfordern, was als üblicher altersgerechter Verhaltensstandard von Kindern eigentlich verlangt werden können müsse.

Gordon Neufelds Buch »Hold on Your Kids – Why parents need to matter more than peers« stellt eine Reihe von Prinzipien vor, die an dieser Stelle Entspannung bringen – Eltern und Kindern.

 

  • Nutzen Sie die Verbindung statt Trennung, um ein Kind dazu zu bewegen, dass es sein Verhalten Ihren Erwartungen anpasst.


Das Erfolgsgeheimnis besteht darin, auf eine gute Beziehung zum Kind zu achten, bevor ein Problem auftritt, anstatt, wenn es aufgetreten ist, eine Trennung herbeizuführen.
Was passiert im Kind, wenn ihm innerhalb von Konflikten Näheverlust angedroht wird oder es Näheverlust erleidet?
Das Bindungssystem geht in höchste Alarmbereitschaft und das Kind wird in höchste Angst, nämlich die Angst ausgestoßen zu werden, versetzt.
Ein Kind unnötigen Trennungserfahrungnen auszusetzen ist – selbst wenn es in der besten Absicht geschieht – ein Fehler, den die Natur nicht so leicht wieder vergibt. Es ist sehr kurzsichtig, für ein bisschen mehr Einfluss heute unsere erzieherische Macht von morgen aufs Spiel zu setzen. Eltern sollten bei Verhaltensproblemen des Kindes zuerst signalisieren, dass sie die Verbindung wieder herstellen möchten, sonst gibt es nichts positives, worauf das Kind reagieren kann. – Tief durchatmen.

 

  • Konzentrieren Sie sich bei den Problemen nicht auf den Vorfall, sondern auf die Beziehung.


Entgegen vergangener pädagogischer Ratgeber ist ein unmittelbares Reagieren in der Situation nicht Voraussetzung dafür, dass das Kind etwas lernt. Eher besteht in der unmittelbaren Reaktion des Erwachsenen die Gefahr, auf provozierendes, aggressives Verhalten ebenfalls emotional mit dem Gefühl ungerecht behandelt zu werden zu reagieren, Drohungen oder Sanktionen auszusprechen und in entwürdigendes Verhalten abzurutschen. Damit hätte kein Lerneffekt stattgefunden. Eher sollte der Erwachsene sich mit erkennenden Äußerungen auf die Frustration des Kindes konzentrieren mit Aussagen wie »Es hat Dich geärgert, dass ich Dir nicht zugehört habe.«

 

  • Lassen Sie das Kind, wenn es Schwierigkeiten hat, weinen, anstatt ihm eine Lektion aufzudrängen.


Kinder müssen im Prozess des Größerwerdens so viel lernen: Mama mit Geschwistern teilen, mit Enttäuschungen und Frustrationen fertig werden, Forderungen aufgeben, auf Dinge verzichten lernen, ein Nein akzeptieren lernen usw.
Diese Lektionen können nicht direkt, durch rationales Verstehen oder durch Konsequenzen gelernt werden, sie sind wahre Lehren des Herzens, die nur gelernt werden, wenn die Vergeblichkeit ins Bewusstsein dringt.

 

  • Wecken Sie gute Absichten, anstatt gutes Verhalten zu fordern.


Betrachten wir schwerpunktmäßig nicht das Verhalten, sondern die Absicht dahinter. Der Trick besteht darin die Hände des Kindes auf das eigene Lenkrad zu bekommen.

Wir können – wie immer – nur auf Basis einer funktionierenden Bindung Einfluss nehmen.

 

  • Versuchen Sie nicht konfrontativ impulsives Verhalten zu stoppen, sondern locken Sie die gemischten Gefühle.


Durch Hinweis auf die weiteren widersprüchlichen Gefühlszustände reguliert sich das Kind selbst. z. B. »Jetzt kommen wir so gut miteinander aus, heute morgen warst Du noch sehr wütend auf mich.« Wenn wir widersprüchliche Gefühle ins Bewusstsein locken, müssen wir einerseits Abstand zum problematischen Vorfall gewinnen und andererseits die Nähe zum Kind verstärken, so dass wir die Führung übernehmen können. 

 

  • Versuchen Sie impulsiven Kindern das erwünschte Verhalten vorzugeben, anstatt Reife zu fordern.


Nehmen Sie dazu die Rolle des Signalgebers ein z. B. »Jetzt könntest Du die Oma umarmen, wenn Du willst.«
Die Hinweise müssen verständlich und positiv formuliert sein.
Negative Instruktionen nützen nicht, tatsächlich werden vom Kind nur die Aktion, nicht jedoch das Wort »nicht«, registriert.

 

  • Versuchen Sie die Welt des Kindes zu ändern, wenn Sie das Kind nicht ändern können.


Mit einem tiefen Verständnis für das Kind können wir über das Problemverhalten hinausblicken und erkennen worauf das Kind eigentlich reagiert.
Ein Kind, welches sich der Forderung widersetzt ins Bett zu gehen, kann als ungehorsam gesehen werden, es könnte jedoch auch als kleines Kind wahrgenommen werden, das in seiner Angst vor der Trennung oder der Dunkelheit überwältigt wird.

 

Natürlich sollten wir die Situation des Kindes nicht ständig verändern, weil wir dann seine Adaptionsfähigkeit quasi unterdrücken. Empfindsame und fürsorgliche Eltern tendieren oft dazu, unbewusst die Anpassungsfähigkeit ihrer Kinder zu stören, indem sie diesen Ansatz auf die Spitze treiben. Wo immer wir können, sollten wir einem Kind beim Schritt von der Frustration zur Vergeblichkeit helfen, gemischte Gefühle in ihm hervorrufen oder gute Absichten wecken. Wenn wir eine positive Veränderung im Kind fördern können, sollten wir nicht versuchen, stattdessen seine Welt zu verändern.

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