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Ernährungsmythen
Die Milch macht’s nicht mehr

Ob Yvonne Catterfeld, jetzt wo sie schwanger ist, immer noch so viel Milch wie im Jahr 2007 trinkt?
Damals war sie das Gesicht der Milchkampagne der Europäischen Union und CMA. 
Diese Kampagne war eine Eins-zu-eins-Kopie der US-Kampagne »Got Milk?«, in der Cindy Crawford und viele weitere bekannte US-Models »für eine gute Sache« eintraten.
Kennzeichen der Kampagne sowohl hier als auch dort war ein sympathischer Milchbart und es ging – zumindest vordergründig – um die Gesundheit.
Es ging auch nicht zuletzt um die Gesundheit der – oft im Alter – von schmerzhafter Osteoporose geplagten Mütter, die all ihr Knochenkalzium während der Schwangerschaft und Stillzeit großzügig ihren Kindern überlassen hatten.
Die unübertroffen erfolgreiche Kampagne hat das Image der Milch als absolut gesundes Nahrungsmittel, jedoch auch darüber hinaus nachhaltig geprägt. Kinder sollen – genauso wie die Mütter selbst – gesunde Milch bekommen um ihren Kalziumbedarf zu decken. Es gibt dementsprechend ganze flächendeckende Schulmilchaktionen und viele heute erwachsene Männer, die gerne mal mit dem Ellbogen an die Wand schlagen, um die Stabilität ihrer durchs tägliche Milchtrinken gestärkten Knochen zu demonstrieren.

Hormonelle Belastungen der Kuhmilch aus Massentierhaltung

Ob Kuhmilch nun wirklich gesund ist, wird gerade nach jüngsten Forschungen extrem angezweifelt.
Eine aktuelle Studie aus Harvard attestiert industriell produzierter Milch heftige Probleme diesbezüglich. 
Zum einen geht es um eine hormonelle Belastung, da unter anderem bei industrieller Massenproduktion auch während der Schwangerschaft der Kühe gemolken wird.
Diese hormonelle Belastung steht nun im Verdacht, bei Frauen für Eierstockkrebs, bei Männern für Prostatakrebs mitverantwortlich zu sein.
Ähnlich der BSE-Krankheit, ist auch dieses Problem dem Preisdruck und der radikalen Massentierhaltung und -produktion von Lebensmitteln geschuldet.
Für uns folgen daraus hormonelle Fehlsteuerungen. Schlechte Spermaqualität, Zyklusstörungen, östrogenabhängige Krebsformen, verfrühte Pubertät usw.
 Jeder Landwirt, der so arbeitet, wird erklären, dass die Kühe nur das erhalten, was unabdingbar ist, wer aber mal einen Tierarzt auf seinem regelmäßigen Gang durch die Großviehanlage begleitet hat, konnte sich ein anderes Bild machen. Oft werden nicht nur kranke Tiere behandelt, sondern stets ganze Ställe und nicht jedes Problem ist behandlungsbedürftig, wird aber zum Anlass genommen Medikamente zu verabreichen, um letztendlich die Leistung zu steigern.
Zum Glück gibt es noch kleinere Milchbetriebe, die sich der Massenmedikamentierung und der Fütterung mit unnötigen Zusätzen nicht anschließen.

Die Milch hat sich verändert

Früher bekam man Rohmilch, unpasteurisiert, unhomogenisiert, lediglich handentrahmt, von grasfressenden Kühen, die eine physiologisch normale Milchmenge gaben. Diese Milch war ein echtes Naturprodukt, das in nordischen Ländern als Nahrungsergänzung diente, weswegen auch nur Menschen dieser geographischen Herkunft das Enzym Laktase haben. Sie war aber auch sehr viel fetter, größere Mengen verursachten dann Übelkeit und Durchfall, dadurch begrenzte sich der Konsum von allein.

Aktuell werden in Deutschland und den USA die größten Pro-Kopf-Mengen an Milch und Milchprodukten verzehrt.

Der hohe Kalziumwert der Milch spricht eigentlich für sie.
Generell ist Kalzium wirksam gegen Osteoporose. Dennoch gibt es leider mittlerweile auch an diesem Argument Zweifel, denn eine Harvard Studie attestiert auch hier leider einen umgekehrten Effekt: mit der Übersäuerung des Körpers, der durch häufigen Milchkonsum ausgelöst wird entzieht der Körper den Knochen zur Neutralisation ihren Kalziumvorrat. Paradoxerweise steigt demzufolge die Osteoporoseanfälligkeit durch Kuhmlich.
Milch wird sauer verstoffwechselt, das heißt bei der Verdauung von Milch entstehen viele Wasserstoffprotonen, die im Blut neutralisiert werden müssen. Blut hat einen sehr engen pH-Bereich, eine Unterschreitung, also Verschiebung in den sauren Bereich kann unter Umständen zu einer lebensbedrohenden Azidose führen.
Somit wird Kalzium aus den Knochen gelöst, um den Blut-pH-Wert zu neutralisieren. Die Menge des Milchkalziums reicht nicht aus, um den Verlust in den Knochen zu kompensieren, schon deswegen, weil wir aus physiologischen Gründen nur ca 30 Prozent des vorhandenen Milchkalziums aufnehmen können, die Bilanz ist also negativ.

Diesen Tatsachen entsprechen auch den Befunden zur Osteoporosehäufigkeit, in den o. g. Ländern, sie sind mit Abstand die höchsten in der Welt.
Auch der Grad der Kalzium-Aufnahmefähigkeit durch den Menschen ist bei Milchprodukten geringer als bei anderen kalziumhaltigen Lebensmitteln, insbesondere bei gewissen Gemüsearten. Nur circa 30 Prozent sind es bei der Milch, während bei Brokkoli, Blattsalat oder Rosenkohl 40 bis 60 Prozent aufgenommen werden können.
Leider ist auch eine relativ große Menge an gesättigten Fettsäuren in Kuhmilch enthalten. Gesättigte Fettsäuren sind als Mitverursacher von Herzkrankheiten bekannt.
Der Gehalt an als wertvoll angesehenen konjugierten Linolsäuren (CLA) ist in der Milch unterschiedlicher Molkereien sehr verschieden. Die CLAs sollen die Möglichkeit Fett zu verdauen verbessern. Bei dem aktuell steigenden BMI bei Kindern und Erwachsenen ist diese Eigenschaft eine sehr wichtige.
Abhängig von der geografischen Herkunft, der Art der Fütterung und Haltung der Kühe ist die Milch von unterschiedlicher Qualität in der Zusammensetzung der Fette. Weidet eine Kuh auf einer Alpenkräuterwiese oder wird sie laufend mit gutem Heu gefüttert, entsteht ein höherer Bestandteil der CLA im Verhältnis zu gesättigten Fettsäuren, als bei den mit Kraftfutter gefütterten Stallkühen.

Was tun? Kuhmilch teilweise ersetzen und achten Sie bei Milch unbedingt auf Frische und Bioqualität.

Also, wie auch bei den Themen Qualität der Fettsäuren und Belastung durch erhöhte Hormonwerte, kommt es auf den Einzelfall an: Demetermilch oder Milch von Biobauernhöfen haben die oben beschriebenen belasteten Werte nicht, da hier eben der Prozess der Milchproduktion weitestgehend wie früher abläuft.
Ein Teil des Kuhmilchkonsums lässt sich sicher durch Sojamilch oder Hafermilch ersetzen (zum Beispiel Yogitee schmeckt vielen besser mit Sojamilch)
Achten Sie beim Kauf von Milch sehr auf die Qualität, frische unhomogenisierte Biomilch, möglichst von gras- und heufressenden Kühen (d. h. im Kaffee schwimmen unter Umständen ein paar Fettaugen und die Milch ist nicht so lange haltbar). Wirklich frische, nur sehr schonend pasteurisierte Milch, lässt sich immer schwerer finden. Nehmen Sie die kurze Haltbarkeit jedoch besser in Kauf.
Im Fall von Milch lässt sich das Beachten der Herkunft und im Zweifel der Einkauf von Biomilch oder gar Demeter- oder Heumilch zu höheren Preisen absolut empfehlen, ganz besonders für Yvonne Catterfeld und natürlich für alle werdenden Mütter.
Wir lassen uns zum Beispiel seit Jahren vom Ökodorf Brodowin direkt bis vor die Haustür beliefern. Beim alljährlichen Hoffest können die Kinder Trecker fahren und vom Heuberg springen und sich nebenbei davon überzeugen, wie gut es den Kühen und Kälbern im Ökodorf geht. Dann ist die Milch nicht so anonym.

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