Sie sind hier

An die jungen Mütter
Elternglück? Leistungsdruck!

Vorher weiß man es nicht. Man kann versuchen, es sich vorzustellen, aber man weiß es nicht, wie es ist, Eltern zu sein.

Dann kommt der Tag, die Geburt, alles ist aufregend, Endorphine pur helfen alles zu überstehen.

Die Besucher, das Kranken- oder Geburtshaus, die Aufmerksamkeit der Hebammen und/oder Ärzte, alles ebbt ab.

Dann kommt der Alltag allein zu Hause.
Klar kommen noch Verwandte und Freunde, Freundinnen, andere Mütter zu Besuch.
Und dann kommen die – oft gleichtönigen – Fragen.
Emotional labil in der neuen Lebenssituation, oft von seelischen und oder körperlichen Geburtsverletzungen (rein statistisch gibt es kaum eine Geburt ohne Dammriss, Dammschnitt, Kaiserschnitt und oder andere weitere teilweise schmerzhafte und behandlungsnotwendige Verletzungen) geplagt, werden bereits frisch entbundene Mütter regelrecht von ihrer Umwelt mit – gleichzeitig wertenden – Fragen regelrecht terrorisiert:
Klappt es mit dem Stillen?
Schläft es schon durch? (Zum Artikel: Schläft es schon durch?)


Und wenn nicht?
Eltern werden ist so aufwühlend, heilig und überfordernd zugleich.
Es passiert so viel in dieser wichtigen Zeit, dem Wochenbett. (Zum Artikel: Bemuttert die Mütter)
Identitätsveränderungen, plötzlich ist man Eltern, Veränderung der Beziehung der Eltern zueinander, plötzlich ist man zu dritt (oder zu viert …), ein neues Familienmitglied mit all seinen Bedürfnissen und Eigenschaften liegt da und wir sind verantwortlich für dieses kleine, so schutzlose Wesen, die hormonellen Veränderungen, alles kommt an diesem einen Zeitpunkt zusammen. (Link zu 'Baby da, neues Leben')

Da ist jede Form von Beurteilung von außen eine völlig unnötige Zusatzbelastung und Verunsicherung der jungen Eltern, meist hauptsächlich der Mutter.
Dauernd wird bewertet, verglichen, abgecheckt, ob andere es besser oder schlechter machen, schaffen, haben.
Diese Leistungsschau im Moment nach der Geburt verstärkt sogar vorhandene Tendenzen zu postpartaler Depression noch unnötig.
Viele frisch entbundene Mütter haben ohnehin eine verstärkte Tendenz hierzu, aufgrund von falschen Erwartungen ans Eltern sein, aber auch an sich selbst in dieser Rolle.
Eine dauernde Enttäuschung dieser gesellschaftlich induzierten Erwartungen, die Einsamkeit mit den alltäglichen Belastungen und die Enttäuschung über den Verlust der gewohnten Freiheit im Alltag stellen unter anderen zusätzliche Risiken dar, eine Antriebsschwäche und letztlich sogar eine postpartale Depression zu entwickeln.

Was soll also der falsche Ehrgeiz?
Wozu der Druck, der Eltern dauernd durch unnötig wertende Fragen zusätzlich gemacht wird?
In diesen – oft tatsächlich neutrales Interesse bekundenden – Fragen schwingt leider ein unausgesprochenes und völlig überflüssiges Leistungsmoment mit.
Gewollt ist es nicht, transportiert wird es dennoch.

Fragen wir in Zukunft lieber, ob junge Eltern sich wohlfühlen und am besten, ob wir irgendwie helfen können.  

Und nun zu den frischen Müttern:
Als Mutter selbst solltest Du Dich frei machen, so frei wie möglich von jeglichem Leistungsdruck, von jeder falschen Erwartung. Es hilft hier nicht, alles unter Kontrolle oder im Griff haben zu wollen. Wozu?

Sich zurechtfinden in der neuen Rolle, die neuen Gefühle, unglaublich große Verantwortung, unglaublich große Verlustangst, unglaublich große Liebe für ein sehr kleines Wesen, das Wunder wahrnehmen, spüren, sich selbst zurechtfinden, sich in Ruhe verlieben.

Diese Zeit ist zu einmalig, zu wertvoll. Das kleine Wesen ist noch zu neu und zart, es bringt etwas mit, wenn wir still genug sind und lauschen, dann können wir es hören.

Diese Zeit geht unheimlich schnell vorbei und sie kommt nicht zurück. Diese schöne – oft gibt es sie nur ein-, manchmal zweimal im Leben – diese besondere Situation.

Der Leistungszirkus muss darum draußen bleiben! Und Verwandte und Freundinnen, die ihn hereinbringen wollen, leider auch. Besser so.

Facebook icon
Google icon
Pinterest icon
LinkedIn icon
e-mail icon

Weitere Artikel zum Thema

Erziehung bei anstrengenden Kindern in der Pubertät.
Es wird wirklich nicht einfacher wenn die Kinder größer werden. Sie schmeißen zwar ihre Teller nicht mehr einfach auf den Boden, können selber aufs Klo – mit Po abwischen! - und ihre Jacken zumachen, sie bekommen keine Schreianfälle mehr vor dem Spielzeug – oder Süßigkeitenregal und man kann sie getrost auch mal ein paar Stunden alleine lassen – immer öfter sogar abends. Aber mit den Erleichterungen kommen auch die Herausforderungen oder sagen wir es so: Die größeren Herausforderungen.
Ablenken, zaubern, Geschichten erfinden und mit einer lustigen Stimme sprechen oder auch einfach mal sagen: Du machst das jetzt, weil ich das so will, funktioniert bei den größeren Kindern einfach nicht mehr so gut.
Passende Kleidung fürs Winterwetter
Regen und Wind, Nebel, Kälte, Eis und Schnee, das Winterwetter zeigt sich oftmals nicht gerade von einer sehr sympathischen Seite. Am liebsten bleiben wir dann drinnen im Warmen. Doch Bewegung an der frischen Luft ist wichtig, gerade auch im Winter. Denn das stärkt unsere Abwehrkräfte. Und letztlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.