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Solidarität unter Frauen
Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit? ... von wegen!

Männer bilden Seilschaften, Frauen machen sich untereinander das Leben schwer. Warum bloß? Ein Plädoyer für mehr Solidarität unter Frauen. 

 

Wir kennen sie alle, die liebevollen Seitenhiebe unserer Geschlechtsgenossinnen: Die nette Dame vom Amt, die den Mann vor uns in der Schlange soeben noch mit ihrem schönsten Lächeln bedient hat, bei uns aber eine Miene verzieht, als habe man ihr gerade mit voller Absicht in den frisch gebrühten Kaffee gerotzt, die schmallippige brünette hinter der Bar, die uns auch noch nach dem dritten „ähhm .... hallo! .... tschuldige bitte!“ immer noch ignoriert als wären wir aus Celluphan, die schnippige Verkäuferin in der Berlin-Mitte Boutique die unser pneumatisch geformtes Hinterteil kritisch abscannt bevor wir auch nur einen Fuß in die Tür setzen konnten (so, als wolle sie gerade sagen „Sorry, deine Po-Größe führen wir nicht!“), oder unsere beste Freundin, die zur größten Charme-Offensive ansetzt und wie ein wild gewordenes Huhn plötzlich (upps!) ein peinliches Detail nach dem anderen über uns auspackt, sobald wir mit unserer neuen Eroberung aufkreuzen.  

 

Nein, neu ist dieses Phänomen nun wirklich nicht. Es bietet schließlich schon seit Ewigkeiten ein unerschöpfliches Reservoir für richtig schlechte Herrenwitze. Worüber wir uns in der gelegentlichen Konfrontation noch amüsieren können, damit legen wir uns im Berufsleben (ja, wir sollten uns alle angesprochen fühlen!) nicht selten ganze Hinkelsteine in den Weg. 

 

Angefangen von der Personalentscheidung in den meisten Unternehmen: Die Personalabteilungen sind nämlich überwiegend weiblich besetzt und entscheiden sich trotz gleicher Qualifikation - wen wundert‘s - lieber für den netten jungen Herren, als für die  sympathische junge Mutter, vielleicht auch wohl wissend, das Frauen irgendwie immer mit Stress verbunden sind. Ohnehin halten wir Männer im Berufsleben für kompetenter als uns selbst. Und auch wir sind es, die bei jungen und engagierten Müttern die Vereinbarkeit  von Mutterdasein und Beruf am meisten anzweifeln (schließlich müssen wir es ja aus eigener Erfahrung wissen!). Und das, obwohl wir doch gerade in der männerdominierten Arbeitswelt zusammenhalten sollten. 

 

Sind wir denn eigentlich total bescheuert? 

 

Nicht, dass es unter Männern keine Rivalität geben würde. Tatsächlich ist Neid unter Männern genauso vorhanden wie beim weiblichen Geschlecht. Männer gehen mit Konkurrenzsituationen nur einfach anders um, nämlich offen. Sie leben ihre Aggressionen aus, sind angriffslustig, geigen sich lautstark die Meinung, oder schlagen sich die Nasen blutig, sie können aber - und das ist der wesentliche Unterschied - kurz nach dem Gewitter auch wieder auf Eintracht und Bruderschaft trinken. Die angestauten Energien - so die Theorie - haben sich einmal heftig entladen und dann, wie als wäre nichts gewesen, tauchen auch wieder Schönwetter-Wolken auf. Es gibt Sieg und Niederlage, was aber nicht weiter schlimm ist, denn das Blatt kann sich ebenso schnell auch wieder wenden. Und wenn sich die Differenz mal wirklich partout nicht zur Seite legen lassen, dann gehen sie sich eben aus dem Weg. Der Mann nimmt‘s selten persönlich. 

 

Entsteht hingegen ein Konflikt unter Frauen, bleibt der Himmel über lange Zeit bedeckt und trübe, ab und an zieht eine schwarze Wolke vorbei, zum großen Knall kommt es aber selten. Unsere Auseinandersetzungen schwelen und lodern vor sich hin, wir tratschen, lästern, sticheln, malträtieren unsere psychische Gesundheit, aber immer nur gerade soweit, dass sich die vielen kleinen Fiesheiten nicht zu einer offenen Auseinandersetzung kulminieren. Schade eigentlich, denn diese könnte so erlösend sein! 

Aber nein, wir halten nicht viel von offenen Konfrontationen und ehrlichen Konflikten. Stattdessen geben wir uns - insbesondere in Anwesenheit unserer männlichen Artgenossen - völlig cool und gelassen, denn wir sind es ja schließlich nicht, die neidisch sind oder missgönnerisch rumzicken. Insgeheim tun wir es dann aber doch, wenn etwa eine nicht allzu unattraktiv Frau den Raum betritt und wir sie binnen Sekunden von oben bis unten scannen, um möglichst schnell die eine oder andere Schwachstelle ausfindig zu machen, die uns wieder in beruhigende Selbstgewissheit versetzt. Sofern die Erscheinung auch unserer männlichen Begleitung nicht entgangen ist, müssen wir uns schon die Zunge abbeissen, um nicht ein hämisches „puuhhahaha... schöner Gürtel, nur dumm, dass sie ihren Rock vergessen hat“ in die Runde zu schmeissen. 

 

 

Da wir Frauen uns ja irgendwie doch alle ähnlich sind (ja, auch diejenigen, die jetzt wieder vehement behaupten sie seien es nicht), sollten wir untereinander mehr Verständnis walten lassen. Reagieren wir bei der nächsten schnippischen Anmache doch einfach mal mit Akzeptanz und gelassener Freundlichkeit und begegnen dem nächsten abschätzigen Blick mit wohlmeinendem Verständnis. Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass sich Neid und Missgunst nur schwer unterdrücken lassen. Und wer könnte dafür ein größeres Mitgefühl entwickeln, als wir selbst? Wir sitzen doch im gleichen Boot. Lasst uns lieber solidarisch sein und uns vernetzen, anstatt uns weiterhin zu sabotieren, in Zukunft lieber offene Konfrontationen austragen, als hinterrücks fiese Lästereien zu platzieren - wir müssen uns ja nicht gleich prügeln. Anstatt Bedrohung zu wittern, sollten wir uns bei der nächsten Personalentscheidung erst recht dafür einsetzen, dass die attraktive Blonde das Rennen macht und voller Motivation ausrufen „Yeah! Endlich mal eine neue Herausforderung!“. 

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