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Raus aus dem Diktat des schlechten Gewissens
Mama raus dem Hamsterrad! Warum das allen gut tut...

 

Wie wir Wertschätzung für uns selbst entwickeln, anstatt uns ohnmächtig dem schlechten Gewissen auszuliefern 

 

Viele von uns Müttern haben einen sehr hohen Anspruch an sich selbst entwickelt. Mütter sind immer noch unbewusst durch das Bild der 'Mutter als Hausfrau' geprägt, die auf Vieles verzichtet, sich selten etwas gönnt und die selbst nur das nimmt was übrig bleibt. 

Dieser veraltete Anspruch auf Selbstlosigkeit unterläuft parallel sämtliche Emanzipationsversuche der Mutter in der Kleinfamilie, auf einer sehr latenten und damit schwer zu bekämpfenden Ebene. Denn solange wir grundsätzlich tief in uns das Bild der selbstlosen Mutter im Hinterkopf haben, die sich für Kinder und Mann (wenigstens die Reihenfolge hat sich geändert) aufopfert, ist es nicht möglich, ein wirklich befreiendes und gleichstellendes Partnerschaftsmodell aufzubauen.

Im Moment ergibt sich aus der Gleichzeitigkeit der gesellschaftlichen Emanzipation und diesen latenten Gewissensanteilen bei den meisten Frauen vielmehr das "Hamsterrad (berufstätige) Mutter" und der Druck beide Rollenbilder gleichermaßen gut erfüllen zu müssen.

 

Innere Normen, die das Leistungsbild einer Mutter in Deutschland nach wie vor prägen, sind den Frauen über Generationen eingetrichtert worden (zum Beispiel durch Instrumente wie das Mutterkreuz im 3. Reich). Jüngere Bilder paradoxerweise entspannter berufstätiger Mütter haben ihren Beitrag zu diesem gesellschaftlich geprägten Rollenbild geleistet.

 

Aus der zusätzlichen, ursprünglich als Emanzipationsschritt verstandenen Eroberung der Berufswelt für die Frauen und Mütter ergibt sich demnach eine zusätzliche Bürde im Karrierezirkus ungebremst mitspielen und mithalten zu können.

 

Aus dem Karrierezirkus wird für viele Frauen und Mütter leider eher das Bild des chinesischen Zirkus, indem eine Person versucht viele Teller gleichzeitig auf Stäben in der Luft zu halten. Die Aufgabe ist schlicht nicht zu bewältigen, zumindest bei dem Anspruch auf Perfektion, der in den meisten von uns unbewusst und unreflektiert übernommen worden ist.

 

Dieser Stress, der im Alltag durch den Anspruch entsteht, in allen Kategorien die perfekte Mutter sein zu wollen, die am besten geförderten Kinder vorweisen und selbst gebackene Kuchen auf Klassenfeste mitbringen zu können, parallel die vollständigen Aufgaben einer Teilzeit oder gar Vollzeit arbeitenden Kollegin zu erfüllen, führt dabei schlicht und selbstverständlich in den Burn-Out.

 

Das schlechte Gewissen wird zum ständigen Begleiter. Eigentlich ist es eine Kontrollkontrollinstanz, die in vielerlei Hinsicht gut und sinnvoll ist. 

Nämlich dann wenn es uns davor bewahrt uns selbst oder anderen Schaden zuzufügen. Doch kann das schlechte Gewissen auch zu einer schweren Bürde werden, zum Beispiel wenn wir die Ansprüche an uns selbst und unser Verhalten in absurde Höhen treiben. 

Der Anspruch, alles richtig machen zu wollen, und die ernüchternde Erfahrung, dass dies oftmals einfach nicht geht, kann dann erdrückend sein. Die Folge: wir fühlen uns häufig hilflos und unzulänglich, kritisieren an uns selbst herum und machen uns dauernd Vorwürfe. 

 

Bei dem Leistungsdruck, den viele von uns an den Tag legen, gepaart mit der allseits fehlenden Anerkennung, ist das insgesamt eine schlicht würdelose Situation. 

 

Wie können wir Wertschätzung für uns selbst entwickeln? Um den Dingen, die uns Kraft und Freude geben, wieder mehr Raum zu geben, braucht es Zeit und vor allem die innere Erlaubnis dazu. Stellen wir unseren inneren Kritiker ab, stellen wir den Anspruch auf Selbstlosigkeit ab, schämen wir uns nicht dafür, im Alltag teilweise furchtbar genervt von unseren eigenen Aufgaben und teilweise sogar von unseren Kindern zu sein. Deswegen sind wir nicht gleich Rabenmütter!

 

Wenn wir uns kleine Wohlbefindens-Inseln in den Tagesablauf einbauen, eine heiße Dusche, ein duftendes Salzbad mit ätherischen Ölen, ein spannendes Buch lesen, inspirierende Musik hören, oder einfach viel Austausch mit Freundinnen haben, sorgen wir so für uns selbst, dass auch unsere Kinder eine Chance haben, später kein schlechtes Gewissen zu entwickeln, wenn sie gut für sich selbst sorgen.

 

Fragen wir uns zuerst einmal was eigentlich in unserem Leben die Kraft und Freude schenkenden Elemente sind. Welchen persönlichen Wert etwa Bindung, Unabhängigkeit, Sicherheit, Harmonie, Anerkennung oder Selbstentfaltung für uns einnehmen, ist individuell ganz unterschiedlich ausgeprägt. Wertschätzung für sich selbst beinhaltet, sich mit diesen individuellen eigenen Bedürfnissen zu akzeptieren und zu respektieren.

 

LERNEN WIR,

 

...die eigenen Bedürfnisse und Wünsche so ernst zu nehmen, wie die unserer Familienmitglieder, ebenso ernst, wie die  unserer Kollegen und unserer Chefs. 

 

...Kompromisse auszuhandeln, statt uns automatisch zurückzunehmen.

 

...uns von der Vorstellung zu verabschieden, am Abend immer alles perfekt abgearbeitet haben zu müssen, um mit und selbst zufrieden sein zu können. 

 

...uns viel eher dafür zu loben, was für schöne Momente wir für uns selbst geschaffen haben.

 

...realistisch zu planen, uns nicht zu viele Dinge auf einmal vorzunehmen, sondern Zeitpuffer und Pausen einzubauen. 

 

...unsere eigene Erholung ernst zu nehmen.

 

...selbst zu entscheiden, was Priorität für uns hat.

 

...in uns rein zu fühlen, was unser eigenes Tempo und unsere eigenen, angemessenen Maßstäbe sein können.

 

...uns Zeit für uns selbst, für unsere eigenen Hobbys und unsere eigenen Freunde zu nehmen.

 

...wegzukommen von der Ausbeutung der eigenen Kräfte, hin zu einer wieder gelingenden Balance zwischen Anspannung und Entspannung.

 

...genau die Dinge die uns Erholung, Spaß und Freude bringen nicht länger als 'Luxus' zu bewerten, sondern als essenziell wichtig für unsere innere Balance. 

 

...für unser eigenes Wohlbefinden zu sorgen und gut zu uns zu sein (siehe auch Innerer Frieden). 

 

...dies nicht nur zu sagen, sondern es uns auch immer wieder praktisch und anschaulich zu zeigen...

 

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