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Midlife Crisis – Wege aus der Krise in der Lebensmitte
Midlife Crisis = Midlife Chance!

Mein Mann, meine Kinder, mein Job, mein Auto, (mein Haus?, mein Segelboot?) …

 

Wir sind auf der Spitze oder irgendwo in der Nähe der Spitze angekommen, schauen umher und haben eigentlich allen Grund mit uns zufrieden und glücklich zu sein. Irgendwann in der Mitte des Lebens stehen wir alle knapp vor oder hinter der Vervollständigung und Verwirklichung unserer (materiellen) Welt und spüren in uns trotzdem eine Leere.

 

Üblicherweise wird diese Leere als Midlife Crisis bezeichnet. Angeblich entsteht diese Krise durch den immer enger werdenden Möglichkeitenhorizont. Gefühlt gewinnt man den Eindruck, von nun an gehe es eher bergab: gesundheitlich, körperlich, leistungsmäßig, aussehensmäßig. Durch unsere Postmoderne Leistungs- und Konsumgesellschaft sowie die Massenmedienkultur werden unsere oberflächlichen Urteile, wie Status, finanzieller Erfolg und äußerliche Attraktivität weiter katalysiert. Symptome einer Midlife Crisis sind neben der genannten Leere im besseren Fall eine berufliche Neuorientierung, neue Hobbys (Mann / Frau zwängt sich in die enge Lederkluft und schwingt sich auf das neue Motorrad), lange Selbstfindungstrips mit Rucksack in ferne Länder oder aber – im schlechteren Fall – eine Ehekrise, Affären, Trennung, Ausbruch aus der Ehe und Scheidung.

 

Obwohl die Midlife Crisis auch als Sinnkrise erkannt ist, suchen wir die Lösung dieser Krise in der Umgestaltung unseres bisherigen materiellen Lebens.
Wir bleiben mit den Lösungsansätzen auf derselben Ebene, auf der das Problem entstanden ist. Systematisch arbeitende Therapeuten würden die Strategie mit ›mehr von demselben‹ als nicht hilfreich bezeichnen. Wir wechseln unsere Wohnumgebung, erneuern unseren Kleiderschrank, tauschen ein Auto gegen ein anderes, oder sogar einen Mann gegen den anderen und denken: neues Haus, neues Auto, neuer Mann, neue Familie = neues Glück!

 

Aber durch all den Austausch wird der krisenhafte Zustand nur verlängert und eine wertvolle Chance vertan. Denn die Midlifecrisis ist unsere größte Chance für persönliche Veränderungen, wenn wir sie nur bewusst und intelligent ergreifen. Wir behaupten, dass es sich bei der Midlife Crisis eigentlich meist um einem Fingerzeig des höheren Selbst handelt, welches einen ganz eigenen Plan in diesem Leben hat. Dieser inneren Stimme zu folgen ist die bereicherndste Möglichkeit in diesem Leben noch einmal ganz andere Perspektiven einzunehmen und sich selbst vollkommen anders als bisher zu erleben.

 

Wir haben uns aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründen heraus von der inneren Stimme und der eigenen Spiritualität ein ganzes Stück weit entfernt. Daher sind uns Themen wie Weisheit des Willens, Glaubenskraft, Beständigkeit, Transformation der Persönlichkeit, Heilungswillen, mitreißende Motivation, politischer Veränderungswille, sich »etwas zutrauen«, Kraft, Hoffnung auf neue innere Aussichten, innere Wandlung und Vertrauen, Befreiung von Projektionen auf andere, innere Reifung, Erfüllung in der Welt, Neubeginn und die Befreiung von innen heraus, abhanden gekommen.

 

In einem Leben, das fast ausschließlich aus Arbeit und Konsum besteht,
finden diese Themen keine wirkliche oder ausreichende Beachtung. Das betrifft besonders uns Eltern, indem wir versuchen, unsere verstärkten Verantwortungsgefühle immer weiter durch materielle Kategorien zu kompensieren. In unserer Vorbildfunktion vermitteln wir unseren Kindern damit schon von klein auf eine Werthaltung, die uns fast zwangsläufig in die Krise führt.

 

Nicht umsonst ist die Vermittlung von Werten immer wieder als Titelthema auf vielen Elternzeitschriften zu finden. Nur wird das Thema eben auch nicht wirklich getroffen, wenn es wie ein kleiner Erziehungskniff auf Spielregelebene à la »so kriegen Sie ihr Kind aufs (oder vom) Töpfchen« abgehandelt wird. Wenn sich die Seele mit diesen Zufriedenheit blockierenden Gefühlen oder gar einer ausgewachsenen Krise meldet, dann sollten wir dieser Meldung am besten nachgehen.

 

Individuelle Wege wie Meditation, Yoga oder lesen und verstehen, können uns gut dabei helfen, besser zu uns selbst zu kommen und bei uns selbst zu bleiben, uns selbst innerlich wahrzunehmen und zu hören und über die eigene Weisheit, die in der Stille in uns hinaufsteigt, eine neue Klarheit, Gelassenheit, innere Ruhe und Frieden, neue Weisheiten, ja sogar Glückseligkeit und einen neuen Lebensgenuss zu entwickeln.

 

Häufig werden Aktivitäten, die uns dabei helfen, tiefer in uns zu gehen, unsere innere Mitte wieder zu finden, unsere Seelenebene und das höhere Selbst zu aktivieren in der ersten Phase der Krise noch belächelt oder aber als roboterhafte Geste ohne Inhalt repetiert (z. B. Power Yoga zu Figurverbesserungszwecken). Quasi analog zum geheuchelten Sonntagskirchgang (früherer) Zeiten, der zur leeren geschniegelten Geste und letztendlich zur sozialen Kontrolle mutiert(e) und den eigentlichen Wert der eigenen Spiritualität schon lange verloren hat. Später hingegen sind es genau diejenigen, die sich kurz vorher noch abschätzig lächelnd und amüsiert über die Selbstfindungsaktivitäten anderer geäußert haben, die kurz darauf durch persönliche oder familiäre Lebensereignisse oder durch (wie auch immer induzierte) Probleme im Karrierezirkus plötzlich genauso vor der Sinnfrage stehen wie ihre zuvor belächelten Peers.

 

Oft lernen wir uns nach vielen Jahren Kampf um Anerkennung und Zuneigung ›im Außen‹ erst mit 30 oder 40 selbst kennen, und erleben, dass all das ersehnte ›im Innen‹ schon immer da war. Und oft lernen wir auch erst dann, dass es sich all die Jahre um die Sehnsucht nach diesem Einklang mit sich selbst und der Umwelt gehandelt hat, die wir als bedrohlich am Alleinsein empfunden haben. Stabilität entsteht nicht durch materielle Befriedigung oder Anerkennung von Aussen sondern aus dem Inneren. Das Überdenken unserer Einstellungen, Ziele und Werte kann uns aus einer vermeintlichen Auswegslosigkeit viele neue Perspektiven eröffnen. Aus einem ›nichts-geht-mehr!‹ wird ein ›aah, auch das gibt es noch alles!‹ wenn wir uns dazu ermutigen, endlich in die richtige Richtung zu schauen. Wir entwickeln uns weiter, lassen viele belastendeGefühle und »falsche Freundinnen« hinter uns und lernen, dass wir keine Opfer der Umstände sind, sondern täglich unser Leben selbst erschaffen.

 

Dann lernen wir auch, dass wir hier viel mehr können und wollen als dass, was uns das Leben in der Welt aus ›mein Mann, meine Kinder, mein Job, mein Haus, mein Auto und mein sonstnoch‹ bieten konnte und fühlen uns endlich unendlich reich
 anstatt unendlich leer.

 

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