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Was Ostern für Kinder wichtig macht
Osterzeit, es ist soweit!

Das Osterfest hat stark an Bedeutung verloren. Schade eigentlich, denn Feste wie Ostern können wichtige Inseln im Alltag schaffen. 

 

Ostern hat für die meisten von uns kaum noch einen religiösen Hintergrund. Viele Traditionen und alte Bräuche rund um das Fest sind uns mit der Zeit abhanden gekommen. Um unseren Kindern eine sinnvolle Erklärung dafür zu liefern, warum ausgerechnet ein Hase bunte Eier legt, müssen wir uns schon mächtig ins Zeug legen. Und dabei sollten wir unsere Kinder nicht für allzu dumm verkaufen, denn die Wiedererkennungsfähigkeit von Kleinkindern bei Markenartikeln ist erstaunlich. So ist etwa bei einer weiß-lila Alu-Verpackung kaum noch zu leugnen, was offensichtlich ist: Der Osterhase war im Supermarkt einkaufen! 

 

Ostern ist - wie so vieles andere auch - zum Schauplatz der Kommerzialisierung geworden. Kein Wunder also, dass uns dabei die Lust am Eiersuchen verloren gegangen ist. Für uns Erwachsene sind Rituale und Feste wie Ostern häufig eher mit negativen Gefühlen behaftet. Das kann an schlechten Erfahrungen und missglückten Familienfesten liegen, die insbesondere in der Pubertät als lächerlich, peinlich oder sogar als zwanghaft erlebt wurden. Werbliche Vereinnahmung und die regelrechte Ostereierpenetration in Supermärken und anderen Orten des täglichen Bedarfs tun ihr übriges, sodass uns traditionsreiche Feste wie Ostern fast nur noch als sinnentleerte Inszenierungen erscheinen.

 

 Ostereier bemalenBei allem Frust sollten wir aber nicht vergessen, dass der Osterhase von den meisten Kindern fast ebenso sehnlich erwartet wird wie der Weihnachtsmann. Dass ein vergessenes Osterfest nicht trivial ist wird uns bewusst, wenn wir spätestens am ersten Schul- oder Kindergartentag nach Ostern in traurige Kinderaugen blicken. Und weil Vorfreude die schönste Freude ist, sollten wir Ostern - übrigens das älteste und auch längste Fest im Christentum - wieder mehr Bedeutung schenken. 

 

Kinder lieben Feste und Rituale. Sie sind wie kleine Fixpunkte und sorgen für Sicherheit und Geborgenheit und stärken ihr Selbstbewusstsein. Jedes Jahr zur gleichen Zeit gemeinsam Ostereier bemalen, Osterdekoration basteln, fürs Osterfrühstück Brot backen oder an einem Osterfeuer teilnehmen, schafft für Kinder wichtige Orientierungsanker. Kleine Spiele, wie etwa Eierlaufen, Osterhasen-Wetthüpfen oder um die Wette Eierpusten lassen Spannung und Vorfreude steigen. 

 

Aber nicht nur für Kinder sondern auch für uns Erwachsene haben Rituale und gemeinsame Feste eine wichtige Bedeutung. Sie sind sozusagen der soziale Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält. Und auch Familienforscher sind sich einig: Feste wie Geburtstage, Weihnachten oder Ostern sind für Familien ebenso wichtig wie gemeinsame Mahlzeiten, weil sie den Zusammenhalt fördern und eine gemeinsame Identität stiften. Sie schaffen zudem einen Ausgleich zwischen Stabilität und Veränderung im Familienleben und geben Raum für die Entwicklung von sozialer Identität. Sie stärken familiäre Traditionen und Interaktionsmuster und festigen damit gleichzeitig die innere Ordnung innerhalb der Familienstrukturen. Fragt man nach Ereignissen, die aus der Kindheit besonders in Erinnerung geblieben sind, wird häufig auf Feste, rituelle Situationen und Arrangement verwiesen. Feste sind daher wie Leuchttürme, die den oft zähen Alltagsbrei durchbrechen und kleine Freudenanker setzen. 

 

Damit das Osterfest für uns und unsere Kinder nicht zum Zwang wird, sollten nur solche Rituale zelebriert werden, die zum Familienleben passen und allen Freude bringen. Kinder  das Osterfest mitgestalten zu lassen kann gut dabei helfen, eigene Rituale zu finden und zu festigen. 

 

Insgesamt haben wir - auch wenn wir der religiösen Bewandtnis von Ostern nicht allzu viel abgewinnen können - zur Osterzeit allen Grund zur Freude. Die Tage werden länger, die Luft wird wärmer, der Sommer sprießt aus allen Poren, und, das allerbeste: der Gesetzgeber schenkt uns zwei freie Tage! Diese Tage sollten wir aktiv Nutzen um uns und unseren Kindern eine kleine Insel im Alltag zu schaffen, in der wir bewusst nicht arbeiten, uns auf Familie und Gemeinsamkeit besinnen und schöne Unternehmungen planen. Dabei können wir auch getrost Abschied nehmen von allem Kommerz und teuren Geschenken, denn wie wir ja alle wissen, ist das bewusste „Zeit-füreinander-nehmen“ viel wertvoller ist als jedes Geschenk! 

 

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