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Ein Plädoyer für das Stillen
Stillen und Chillen

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. 

 

Es war der Geburtstermin, der Tag an dem sie kommen sollte. Ich war schon tagelang schwangerschaftsmüde. Unser 3 jähriger Sohn Yannick erklärte meiner Tochter im Bauch zum x-ten Mal, wie sie selbst mit dem Finger die Fruchtblase zum Platzen bringt und dann rauskommt. Er hatte eine gutes Verhältnis zu meinem Bauch. Ella sollte sie heißen, daß wußte Yannick schon bevor ich überhaupt wußte, daß ich schwanger bin. Das es ein Mädchen wird und Ella heißen soll hätte Gott ihm gesagt, hat er uns damals erzählt. Als wir Wochen später erfuhren, daß sie ein Mädchen wird, hatten wir seinem Vorschlag nichts entgegenzusetzen ausser dem Zweitnamen Sophie, den ich seit Sophies Welt schön fand.

In der Wanne liegend „Ella Elle l’a“ von France Gall hörend platzte die Fruchtblase tatsächlich. Trotz mehrmaliger Übung der Route verfuhren wir uns auf der gefühlt unendlich langen Strecke in die Havelhöhe, wo ich auf eine kürzere und sanftere Geburt als bei der ersten hoffte. 

 

Die Geburt war, obwohl sie acht Stunden kurz war, unglaublich anstrengend, die letzten Stunden waren Schmerz, der intensivste Dauerschmerz meines Lebens. 

 

Der Raum war dunkel, nur ein zartes Licht an warmroter Wand ließ ihn ein wenig so anmuten wie meine Gebärmutter die letzten Wochen auf unsere kleine Tochter gewirkt haben muß, Geborgenheit und Schutz vermittelnd. Als Sternguckerchen hatte Ella stundenlang vor meinem Beckenknochen festgeklemmt. Eine tiefe Delle in ihrer Stirn zeigte wie stark auch ihr Kampf und Schmerz gewesen sein muß.  Sie hächelte, lag auf meinem Bauch, von der Geburt erschöpft, sie hatte es endlich geschafft!

 

Da knallte es, einmal,zweimal, wir wussten zunächst nicht woher. Es hallte richtig im Raum. Sie schnalzte! So laut! Sie suchte. Das kleine Köpfchen mit aller Kraft, noch zittrig, wackelig anhebend, kroch, robbte sie suchend vom Bauch auf den ich sie gezogen hatte meinen Oberkörper entlang. Die Nabelschnur pulsierte noch aus, niemand störte uns drei. Sie schnalzte immer wieder, laute Kussgeräusche ließen uns vor Befreiung, Rührung und Erleichterung Tränen lachen. Sie fand die Brust und das Wunder war perfekt. Sie trank mit aller Kraft und wirkte zufrieden, beruhigt, gestillt. 

 

Das war der zauberhafte Anfang einer dreieinhalbjährigen Stillsymbiose zwischen meiner zweiten Tochter und mir. Durch das Stillen haben wir immer wieder Zweisamkeit, Entspannung, Ruhe erlebt. ‚Tinkern’ für ‚an der Brust trinken‘ war ihr drittes Wort. 

 

Warum ist Stillen so erfüllend? 

 

Das Baby ist heraus aus der schützenden Hülle des Bauches. Die Trennung, die Verletzbarkeit wird niemals so rückgängig gemacht wie in den schönen Momenten des Stillens. Selten empfindet eine Mutter so tiefe Gefühle der Zweisamkeit mit ihrem Säugling, wie in diesen Augenblicken. 

 

Es gibt erstaunlicherweise immer noch verdammt viele Vorurteile übers Stillen. Dabei hat es eigentlich viel mehr Vorteile, nur sind diese von einigen jungen Müttern offensichtlich (noch) nicht erkannt. 

 

Stillen ist ein Garant ein für gemeinsame Entspannung: 

wenn zu früh zuviele Alltag auf Dich wartet, zuviele Bekannte und Verwandte und deren Erwartungen das Haus entern, oder Geschwisterchen oder Haushalt zuviel Ansprüche stellen, kann Mama sich zum Stillen zurückziehen. Dabei kommt sie wieder zu ihrem Baby, zu sich, weg von der Unruhe und Oberfläche, in die Stille. 

 

Stillen ist ein Garant für Schutz vor dem Lärm der Welt: 

instinktiv sucht die Stillende in regelmäßigen Abständen ein ruhiges Plätzchen für sich und ihr Baby und das tut beiden gut. Viele Schreikinder sind einfach vom‚ Lärm der Welt‘ in Form von Sinneseindrücken jeglicher Art überfordert und das Stillen ist eine Sensibilisierung der Mutter auf diese Bedürfnisse ihres Schützlings. 

 

Stillen ist ein Garant für die Ausdehnung des größten Zaubers: 

unser Baby wird in diese Welt geschmissen und hat wenig Chancen sich anders zu schützen als zu schreiben, wenn etwas zuviel wird oder nicht stimmt. Der Zauber des Anfangs, der Symbiose und Harmonie der Schwangerschaft wird in den zärtlichen Minuten des Stillens verlängert. 

 

Stillen ist ein Garant für die Intensivierung der tiefsten Liebe: 

jedes Mal, wenn Du stillst wird das Zärtlichkeits- oder Liebeshormon Oxytocin bei Dir und bei Deinem Baby ausgeschüttet. Mutter Natur gibt beiden einen stetigen Anreiz. Das ist wunderschön, denn gute Gefühle kann man trainieren wie einen Muskel. Liebe breitet sich aus, vermehrt sich, ist gesund, erhebt und erfüllt uns und andere. Liebe ist Liebe. 

 

Stillen kann für das Setzen eines festen Ankers sorgen: 

die Zeit nach der Geburt ist der Beginn einer unzerstörbaren Bindung, einer belastungsfähigen Beziehung zwischen Dir und Deinem Baby. Nur ganz langsam bewegt sich Dein Kind aus dieser Symbiose heraus, ankert immer wieder, kommt zur Ruhe, bekommt Nähe und Urvertrauen, wird physisch und emotional genährt um sich später der Komplexität der Welt stellen zu können. 

 

Stillen kann sogar heilsam sein: 

es schenkt ein - hormonell unterstütztes - gemeinsames inniges Erleben, wie es einigen von uns bisher vielleicht sogar nicht bekannt war. Wir sind verbunden mit unserem Körper, spüren das Wunder der Weiblichkeit, die ganze Kompetenz, die Kraft die in der Ruhe liegt, das Yin, viele Frauen spüren es im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt zum ersten Mal, werden Ganz und Heil. Auch diese tiefste Zärtlichkeit, ohne jede Forderung eines Erwachsenen, kann eine heilende Wirkung haben. Der kleine Wurm ist absichtslos, verhandelt nicht, nutzt nicht aus, ist da und bleibt, liebt Dich bedingungslos, so wie Du bist und sehen, fürhlen, spüren, riechen und schmecken kannst Du all das beim Stillen, tagtäglich, immer wieder, rückbesinnend. Ein Baby ist einfach wie es ist, bedürftig, durch Dich allein gesättigt und gestillt, dankbar blickend, zufrieden. Und die Zufriedenheit überträgt sich auf Dich. 

 

Jetzt zu all die Mythen, was Du nicht dürfen sollst, was angeblich nicht geht, sie sind aus meiner Sicht im Verhältnis zu den Vorteilen des Stillens aufgepumpt, schlicht übertrieben:

 

Dein Körper produziert genau das, was dein Baby braucht. Er filtert unnötige Stoffe und Aromen aus der Muttermilch heraus. Er kann aus dem was Du isst das Beste für das Baby und Dich herausziehen.

 

Du darfst fast alles, worauf Du wirklich Lust hast, essen, auch Sushi und Rohmilchkäse. Auf Alkohol, Zigaretten und Kaffee haben die meisten meiner Stillgruppenfreundinnen sowieso keine Lust mehr gehabt. Stattdessen hat auch Dich Mutter Natur freundlicherweise auf Still- oder Anis, Fenchel, Kümmelte oder Omega-3-Fettsäure lastige Fischsorten und gesunde und frische Ernährung umprogrammiert.

 

Stillmilch hast Du immer richtig temperiert bei Dir. Sie wird nicht schlecht, kann überall „angerührt“ werden, ohne Pulver, Wasserkocher, Sterilisator, Fläschchen, Spülen und anderes und Gewese. Wenn Du dass Haus verlässt mußt Du an nichts denken, Deine Brüste kommen mit, wohltemperiert wohlgemerkt.

 

Der Milcheinschuß passiert sowieso, mit Quark und Kohlblättern läßt sich da einiges entspannen, frag dazu am besten Deine Hebamme. Auch die vielbeschriebene Brustentzündung (Mastitis) entsteht seltender als befürchtet und ist meist nur ein Symptom, nicht die Ursache. Sie ist ein Zeichen dafür, daß Du Dir einfach zuviel zugemutet hast und es ruhiger angehen solltest.

 

Und von wegen Papa kann dann nicht: abpumpen und kühlen bzw einfrieren geht prima. Auch vom Arbeiten hält es nicht wirklich ab, alles eine Frage der Organisation. Auch macht es keine hässlichen Hängebrüste wie oft behauptet und befürchtet wird. Das Bindegewebe ist entweder flexibel bzw gut oder schlecht, das ist genetisch. Schon in der Schwangerschaft solltest Du bdie Brust mit einem guten Öl massieren um der Haut die Veränderung so sanft wie möglich zu gestalten. Ausser Wolle-Seide Stilleinlagen gibt es keine Investition, die Du tätigen musst. 

 

Also, wenn Du die Wahl hast, dann nimm das Abenteuer an. Du kommst mit Deinem Körper, Deinem Tempel, dem Wunder, das ihn erschaffen hat, all seinen Kompetenzen und Energien in Berührung, erst das Neugeborene, das Leben, Dein Baby, wie es in Deinem Bauch gewachsen, komplett und schön geworden ist, dann die Geburt, das wunderbare Verbundensein des Stillens, das Engelslächeln, zart, wunderschön, unnachahmlich nah und seelentief. 

 

 

 

 

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